140412hebammenprotest1Über 4.000 Hebammen, Eltern und Kinder protestieren heute vor dem Kanzleramt für eine tragfähige Lösung zum Erhalt der freien Geburtshilfe in Deutschland. Der Demonstrationszug endet in der Friedrichstraße am Bundesgesundheitsministerium mit einer Abschlusskundgebung. „Der breite und massive Protest muss endlich auch von der Politik ernst genommen werden“, fordert Christine Bruhn, Geschäftsführerin des Geburtshauses in Berlin Charlottenburg. An der Protestkundgebung nahm auch die Ingolstädterin Sabine Schmuck aus Bayern teil. Schmuck hatte mit einer Bundestagspetition binnen kurzer Zeit die nötigen 50.000 Unterzeichner erreicht und wird demnächst im Bundestag angehört werden. „Die Bundestagsabgeordneten und die Minister machen sich anscheinend keine Gedanken, was ein Wegfall von freien und Beleghebammen in Deutschland bedeutet. Eine Kostenlawine sondergleichen würde auf die Krankenkassen einstürzen, wenn beispielsweise Klinikärzte Kinder zur Welt bringen müssten“, erklärt die Hebamme Marion Kublick aus Berlin-Friedrichshagen.

Der am Freitag vom Verband der Versicherungswirtschaft vorgestellte Kompromiss, wonach die Hebammen ein weiteres Jahr eine zur Berufsausübung notwendige Haftpflichtversicherung erhalten, wurde von  den betroffenen Hebammen scharf kritisiert.  „Das ist für uns ein überteuerter kurzfristiger Schnellschuss! Von einer Lösung ist das weit entfernt!“, sagte die Hebamme Gudrun Lorenz aus Berlin-Niederschönhausen. Laut Angaben des Versicherungsmaklers Securon gilt das Angebot lediglich für ein weiteres Jahr und ist mit einer weiteren Steigerung der Prämien um zwanzig Prozent verbunden. Für eine in der Geburtshilfe tätige freiberufliche Hebamme bedeutet dies eine Versicherungssumme von über 6000 Euro. „Die  5000 Euro für die Versicherung im Jahr 2013 schon zu viel waren, aber bei über 6000 Euro Versicherungssumme bedeuten für viele Hebammen jetzt schon Konkurs, und das in einer Zeit in der es bereits an Hebammen fehlt“, sagt Kublick: Es sei unredlich, wenn jetzt Wirtschaft und führende Politiker vollmundig erklären, eine Lösung sei gefunden,. „Der drohende Komplettausfall der Haftpflichtversicherungsmöglichkeit für Hebammen ist damit um ein Jahr verschoben und bedeutet für uns ein Sterben auf Raten“, so Lorenz.

„Eine bezahlbare, tragfähige und vor allem langfristige Lösung muss bis Ende des Jahres 2014 von Bundesgesundheitsminister Herrmann Gröhe (CDU) gefunden werden“, mahnt Sabine Niels aus Fürstenwalde/ Spree.  Ein jetzt aufgeschobenes Ende der freien Hebammenarbeit im Sommer 2016 bedeutet, dass Geburtshäuser, Hebammenpraxen und andere hebammengeleitete Einrichtungen aufgrund der laufenden Verträge vielfach schon mit Beginn des nächsten Jahres mit der Abwicklung ihrer Betriebe beginnen müssten, so Niels.

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kdesery RT @Verein_MH: Eltern brauchen Hebammen, um nicht mit einem jungen Baby in Krankhausambulanzen oder vollen Arztpraxen auf... https://t.co/o
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bookjunk “Aber das ist doch nicht schlimm, wenn du angekackt wirst.“ Gespräche unter Hebammen
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gehurtet ich saß 3 Stunden im Auto und habe gewartet, während mein Vater Hebamme gespielt hat
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